Der Umzug von Berlin nach Mecklenburg-Vorpommern wurde für Leyla Rohrbeck und Philipp Kossack zum Ausgangspunkt eines unerwarteten beruflichen Neubeginns. Mit ihrem Cateringunternehmen Knirps & Knolle versorgen sie heute Kitas im Nordosten der Republik mit frischer Bio-Küche – und setzen dabei bewusst auf gesunde, kindgerechte Ernährung.
Qualität vor Quantität
Seit etwas mehr als einem Jahr ist das Paar nun mit seinem eigenen Cateringunternehmen aktiv. Zeit genug für eine erste Zwischenbilanz – die durchweg positiv ausfällt: „Es war die richtige Entscheidung. Wir haben in der kurzen Zeit viel gelernt und viel bewegt. Trotz einiger Höhen und Tiefen hat sich für uns alles gefügt“, freuen sich Leyla Rohrbeck und Philipp Kossack. Mit Knirps & Knolle verfolgen sie einen klar definierten Qualitätsanspruch. Im Mittelpunkt stehen dabei regionale Bio-Lebensmittel, handwerklich zubereitete Gerichte und eine enge, partnerschaftliche Zusammenarbeit mit den betreuten Kitas. „Qualität steht bei uns an erster Stelle. Den Kindern ein gesundes Essen anzubieten, ist uns wichtiger als der Unternehmensprofit“, betonen sie. Großen Wert legen sie darüber hinaus auf einen transparenten und kontinuierlichen Austausch mit den Einrichtungen. Nur durch offene Kommunikation und ein genaues Verständnis der jeweiligen Anforderungen sei es möglich, die unterschiedlichen Bedürfnisse der Kitas zu erfassen und verlässlich zu erfüllen, betonen sie. Diese Nähe zum Kunden unterscheidet Knirps & Knolle von dem meist anonymen Angebot großer Caterer.
Neustart auf dem Land
Als Philipp Kossack und Leyla Rohrbeck Berlin verließen und aufs Land nach Mecklenburg-Vorpommern zogen, hatten sie eigentlich nicht vor, einen Cateringbetrieb zu gründen. Die Idee entwickelte sich aus einer ganz persönlichen Erfahrung: Ihre kleine Tochter mochte das Essen in der Kita nicht und aß zunehmend weniger. Auf der Suche nach Alternativen stellten die Eltern fest, dass es in der Region kaum Angebote für frische, kindgerechte Verpflegung gab. In Gesprächen mit der Kitaleitung gewannen sie ein klareres Bild davon, welche Anforderungen eine ausgewogene und zugleich alltagstaugliche Kitaverpflegung erfüllen muss. So entstand nach und nach eine konkrete Geschäftsidee. Dabei half, dass beide ausgebildete Köche sind. Im Januar 2025 fingen sie schließlich an, unter dem Namen Knirps & Knolle frisches Bio-Essen anzubieten – zunächst belieferten sie drei Einrichtungen. Inzwischen kochen sie rund 400 Portionen täglich und versorgen damit neun Kindertagesstätten. Sie haben eine neue Küche gebaut und beschäftigen acht Mitarbeiter.
Kinder essen alles
Die Mühe hat sich gelohnt: Nicht nur die eigene Tochter greift inzwischen deutlich lieber zum Kitaessen, auch von anderen Eltern erhalten Leyla Rohrbeck und Philipp Kossack regelmäßig positives Feedback – etwa von Kindern, die plötzlich neugierig Gemüse probieren und neue Geschmäcker für sich entdecken. „Kinder essen fast alles“, erklären die beiden. „Für kleine Kinder muss Essen Spaß machen und nicht zu kompliziert sein.“ Entsprechend rückt bei Knirps & Knolle der natürliche Geschmack der Zutaten in den Mittelpunkt, Gewürze setzen sie nur zurückhaltend ein. Auf diese Weise ist es ihnen gelungen, Gerichte wie Gnocchi mit Gemüsesauce oder Hühnerfrikassee mit Reis zu echten Favoriten im Kitaalltag werden zu lassen. Ob ein Gericht gut ankommt, hänge allerdings auch entscheidend mit den pädagogischen Fachkräften zusammen, geben sie zu bedenken. Wenn Erzieher die Kinder ermutigen, Neues auszuprobieren, entsteht eine Offenheit am Tisch, die neue Geschmackserlebnisse ermöglicht. Deshalb setzen Kossack und Rohrbeck auf den engen, persönlichen Austausch und besuchen die Kitas regelmäßig, um ihr Ernährungskonzept zu vermitteln und gemeinsam weiterzuentwickeln. „Ernährungsbildung muss begleitend zur Verpflegung stattfinden“, sind sie überzeugt.
Bewusst geplant, regional umgesetzt
Derzeit lässt sich das Unternehmen bio- und DGE-zertifizieren. In der praktischen Umsetzung orientiert sich Knirps & Knolle bereits an den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung. Fleisch und Fisch stehen daher nur einmal pro Woche auf dem Speiseplan, während pflanzliche Eiweißquellen wie Hülsenfrüchte, Vollkornprodukte und frisches Gemüse eine wichtige Rolle einnehmen. Über das Mittagessen hinaus versorgt der Caterer die Einrichtungen auch mit Frühstücks- und Vesperangeboten. Auch hier fällt die regionale Ausrichtung auf: Das Brot stammt vom Bäcker aus dem Ort, das Knabbergemüse liefert ein lokaler Gärtner, Produkte wie Müsliriegel, Cracker oder Kuchen werden in der eigenen Küche hergestellt. Auf diese Weise kommen die Kinder früh und spielerisch mit einer Vielfalt an Geschmäckern und Lebensmitteln in Berührung. Um gleichzeitig Ressourcen zu schonen, erhält jede Kita ein individuell abgestimmtes Verpflegungspaket, das regelmäßig überprüft und bedarfsgerecht angepasst wird, sodass möglichst wenig Lebensmittelreste entstehen.
Nachhaltig wachsen
Mit Blick nach vorn zeigen sich Leyla Rohrbeck und Philipp Kossack zuversichtlich. Sie möchten vor allem ihrer Linie treu bleiben, wollen weiterhin hochwertige, gesunde Verpflegung für Kleinkinder anbieten und dabei behutsam, aber nachhaltig wachsen. Sie hätten sich ein tolles Team aufgebaut, das die gemeinsame Überzeugung für gute Kinderernährung teilt und aktiv mitgestaltet, erzählen sie. Perspektivisch schließen sie auch eine Ausweitung ihres Angebots auf Grundschulen nicht aus. Mit einem Augenzwinkern geben sie zu: Sollte das Essen an der zukünftigen Schule ihrer Tochter erneut Anlass zur Kritik geben, könnten sie sich gut vorstellen, auch dort aktiv zu werden.
Vernetzt für bessere Kinderverpflegung
Über das eigene Team hinaus, haben die beiden im VDSKC eine engagierte Gemeinschaft gefunden, die sich für die Belange von Schul- und Kitacaterern einsetzt. Sie sind dem Verband im September 2025 beigetreten, um am fachlichen Austausch teilzunehmen. Als noch junges Unternehmen in der Branche hoffen sie, vom Erfahrungsschatz etablierter Betriebe und vom gewachsenen Netzwerk profitieren zu können. Themen wie verlässliche Qualitätsstandards und eine angemessene Finanzierung der Kita- und Schulverpflegung sind ihnen besonders wichtig.

