Eine starke Stimme für Kinder, Familien und die Gemeinschaftsverpflegung
Seit November 2020 führt Ralf Blauert als erster Vorsitzender den VDSKC. Der gelernte Koch und Unternehmer aus Potsdam kennt die Herausforderungen der Gemeinschaftsverpflegung aus eigener Erfahrung. Mit seinem Cateringunternehmen BlauArt versorgt er bereits seit 1994 Kindergärten und Schulen mit frisch zubereiteten Mahlzeiten und hat im Laufe der Zeit eine klare Position zum Thema Bildungsgerechtigkeit entwickelt: Gute Bildung und gutes Essen gehören für ihn unzertrennlich zusammen.
Den VDSKC hat er in den vergangenen Jahren entscheidend mitgeprägt. So hat er nicht nur die Weiterentwicklung und Professionalisierung des Verbandes vorangetrieben, er hat auch neue Mitglieder aus dem gesamten Bundesgebiet gewonnen und die Stimme des VDSKC in der Öffentlichkeit deutlich gestärkt.
Im Interview blickt Ralf Blauert auf die wichtigsten Stationen dieser Entwicklung zurück, spricht über Erfolge, Herausforderungen und prägende Erfahrungen.
Wenn Sie auf die vergangenen Jahre zurückblicken: Welche Entwicklungen oder Erfolge des VDSKC sind aus Ihrer Sicht besonders hervorzuheben?
Die vergangenen Jahre waren für den VDSKC eine Zeit des konsequenten Aufbaus und der Professionalisierung. Besonders stolz bin ich darauf, dass wir den Verband organisatorisch und strategisch auf ein neues Niveau gehoben haben: Mit einem erweiterten Vorstand, einem Vorstandsbeirat, aktiven Landes- und themenspezifischen Arbeitsgruppen haben wir Strukturen geschaffen, die eine moderne und bundesweite Verbandsarbeit ermöglichen.
Parallel dazu haben wir die Kommunikation des Verbandes deutlich ausgebaut. Mit einer modernen Webseite, der aktiven Präsenz in den sozialen Medien und kontinuierlicher Pressearbeit ist es uns gelungen, die Themen der Kita- und Schulverpflegung stärker in die öffentliche Wahrnehmung zu rücken. Der Verband wird heute als kompetente und verlässliche Stimme der Branche wahrgenommen.
Ebenso erfreulich ist die Entwicklung unserer Mitgliederbasis. Aus einem ursprünglich regional geprägten Verband in Berlin und Brandenburg ist ein bundesweit aktives Netzwerk geworden. Heute sind wir in vielen Regionen Deutschlands vertreten und stehen kurz davor, die Marke von 100 Mitgliedsunternehmen zu erreichen. Das zeigt, dass unsere Arbeit in der Branche auf große Resonanz stößt. Besonders wichtig war uns dabei immer der persönliche Austausch. Unsere Verbandstage bringen engagierte Caterer aus ganz Deutschland zusammen. Dort entstehen Netzwerke, neue Ideen und Kooperationen – und vor allem das Gefühl, Teil einer Gemeinschaft zu sein, die sich gemeinsam für bessere Verpflegung und bessere Bildungschancen für Kinder einsetzt.
Darüber hinaus konnten wir unsere politische Vernetzung deutlich stärken. Der regelmäßige Austausch mit politischen Entscheidungsträgern ermöglicht es uns, die Perspektive der Praxis in politische Diskussionen einzubringen. Kooperationen mit Organisationen wie ProVeg, Bioland oder dem DEHOGA zeigen zudem, dass wir als Verband heute ein anerkannter Partner bei zentralen Fragen der Gemeinschaftsverpflegung sind. Unser Ziel bleibt weiter unverändert: eine hochwertige, nachhaltige und für alle Kinder zugängliche Verpflegung als festen Bestandteil von Bildung und Chancengerechtigkeit zu etablieren.
Auf welches Projekt oder welche Initiative sind Sie als Vorstand besonders stolz – und warum?
Am meisten beeindruckt mich eigentlich das Engagement unserer Mitglieder. Viele Caterer investieren neben ihrem anspruchsvollen Tagesgeschäft zusätzliche Zeit und Energie in die Verbandsarbeit, weil sie davon überzeugt sind, dass gutes Essen und gute Bildung zusammengehören. Dieses ehrenamtliche Engagement ist die Grundlage vieler Erfolge des VDSKC.
Wenn ich konkrete Projekte nennen soll, dann fällt mir zunächst das Berliner Pilotprojekt „Wo kommt dein Essen her?“ ein. Zwischen 2019 und 2022 hat der VDSKC als Projektträger Kindern die Möglichkeit gegeben, regionale Wertschöpfungsketten kennenzulernen und sich mit nachhaltiger Ernährung auseinanderzusetzen.
Ein weiterer Meilenstein ist unser niedersächsisches Projekt „Lernort Mensa“. Dass ein Landesministerium den VDSKC mit der Umsetzung eines Projekts in dieser Größenordnung betraut hat, ist für uns eine besondere Anerkennung unserer fachlichen Kompetenz. Gemeinsam mit sieben Modellschulen entwickeln wir dort Ansätze zur Ernährungsbildung und zur Stärkung einer gesunden Esskultur. Dazu gehören beispielsweise Schulgärten und Hochbeete, Besuche bei landwirtschaftlichen Betrieben oder Frühstücksinitiativen für Kinder, die ohne Mahlzeit in die Schule kommen. Besonders wertvoll ist die wissenschaftliche Begleitung des Projekts. Dadurch können erfolgreiche Maßnahmen langfristig dokumentiert und auf weitere Schulen übertragen werden. Genau darin sehe ich die große Chance: Wir können nachhaltige Veränderungen anstoßen, die weit über einzelne Projekte hinaus Wirkung entfalten.
Welche Themen und Herausforderungen werden die Branche der Caterer und den Verband in den kommenden Jahren besonders beschäftigen?
Mit dem Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung wächst die Bedeutung einer qualitativ hochwertigen Verpflegung. Viele Kommunen und Schulen stehen jedoch noch vor erheblichen infrastrukturellen und organisatorischen Herausforderungen. Hier braucht es praktikable Lösungen und eine stärkere politische Unterstützung.
Gleichzeitig bleibt der Fachkräftemangel eine der größten Belastungen für die Branche. Gute Schul- und Kitaverpflegung entsteht durch engagierte Menschen. Deshalb müssen wir attraktive Arbeitsbedingungen schaffen und die gesellschaftliche Wertschätzung für diese Arbeit erhöhen. Hinzu kommen die wirtschaftlichen Herausforderungen: Steigende Kosten für Lebensmittel, Energie und Personal setzen viele Betriebe unter Druck. Trotzdem wird die Finanzierung guter Kinderverpflegung noch immer nicht ausreichend politisch abgesichert. Die Diskussion um den Mehrwertsteuersatz auf Schulessen zeigt, wie wichtig verlässliche Rahmenbedingungen für Familien und Caterer sind.
Trotz dieser Herausforderungen sehe ich auch Chancen. Digitale Technologien und Künstliche Intelligenz bieten neue Möglichkeiten, Prozesse effizienter zu gestalten, Ressourcen zu schonen und die Qualität weiter zu verbessern. Entscheidend wird sein, diese Innovationen sinnvoll und verantwortungsvoll einzusetzen. Grundsätzlich geht es aus meiner Sicht um eine gesellschaftliche Frage: Welchen Stellenwert messen wir der Ernährung unserer Kinder bei? Wenn wir Schul- und Kitaverpflegung als Teil des Bildungsauftrags verstehen, müssen Qualität, Nachhaltigkeit und Chancengerechtigkeit stärker in den Mittelpunkt rücken.
Welche Vision haben Sie für den VDSKC in fünf bis zehn Jahren? Wie soll sich der Verband weiterentwickeln?
Meine Vision ist ein weiterhin wachsender und gleichzeitig enger zusammenrückender Verband. Wir möchten unser Netzwerk bundesweit weiter ausbauen und in den Regionen stärker präsent sein, in denen wir bislang noch unterrepräsentiert sind. Gleichzeitig ist es wichtig, dass mit dem Wachstum die persönliche Verbundenheit nicht verloren geht. Der VDSKC soll auch künftig eine Gemeinschaft bleiben, in der Austausch, Vertrauen und gegenseitige Unterstützung die Zusammenarbeit prägen. Dazu werden wir die Landesgruppen weiter stärken und neue Möglichkeiten der Vernetzung schaffen. Denn die Herausforderungen der Branche lassen sich am besten gemeinsam bewältigen.
Inhaltlich wünsche ich mir, dass die Politik den Erfahrungen und dem Wissen der Praktiker noch stärker Gehör schenkt. Wir brauchen bundesweit einheitliche Qualitätsstandards, verlässliche Finanzierungsmodelle und eine langfristige Strategie für die Gemeinschaftsverpflegung. Gute Ernährung darf nicht vom Wohnort oder der finanziellen Situation einer Familie abhängen.
Darüber hinaus sehe ich großes Potenzial in der europäischen Zusammenarbeit. Länder wie Dänemark, Schweden oder Frankreich zeigen, welchen Stellenwert Schulverpflegung in einer modernen Bildungslandschaft einnehmen kann. Unsere erste Exkursion nach Kopenhagen hat eindrucksvoll gezeigt, wie viel wir voneinander lernen können – etwa in den Bereichen Nachhaltigkeit, Bio-Lebensmittel, Ernährungsbildung und bei der gesellschaftlichen Wertschätzung von Schulessen. Diesen Austausch möchten wir weiter intensivieren.
Ich wünsche mir, dass der VDSKC in zehn Jahren als die zentrale Stimme der Kita- und Schulverpflegung in Deutschland wahrgenommen wird – als kompetenter Ansprechpartner für Politik und Verwaltung und als starke Gemeinschaft für alle, die Verantwortung für die Ernährung der nächsten Generation übernehmen.
Warum lohnt sich eine Mitgliedschaft im VDSKC?
Eine Mitgliedschaft im VDSKC bedeutet, Teil eines starken Netzwerks von Menschen und Unternehmen zu sein, die dieselben Werte und Ziele teilen. Unsere Mitglieder profitieren vom regelmäßigen Austausch mit Kollegen aus ganz Deutschland, von praxisnaher Unterstützung und von einem enormen Erfahrungsschatz innerhalb des Verbandes. Viele Probleme, mit denen einzelne Betriebe konfrontiert werden, haben andere bereits gelöst, und dieses Wissen teilen wir miteinander.
Darüber hinaus bieten wir Möglichkeiten zur fachlichen Weiterbildung, Seminare und Exkursionen an. Auch vertreten wir die Interessen unserer Mitglieder gegenüber Politik, Verwaltung und Öffentlichkeit und sorgen dafür, dass die Stimme der Gemeinschaftsverpflegung gehört wird.
Nicht zuletzt erhöht eine Mitgliedschaft die Sichtbarkeit des eigenen Unternehmens und eröffnet neue Kontakte innerhalb der Branche. Je mehr Unternehmen sich engagieren, desto stärker wird unser gemeinsamer Einfluss auf politische Entscheidungen und gesellschaftliche Entwicklungen. Wer Mitglied im VDSKC wird, investiert deshalb nicht nur in das eigene Unternehmen, sondern auch in die Zukunft einer besseren, nachhaltigeren und gerechteren Kita- und Schulverpflegung in Deutschland.

