2026Wir vom VDSKC26. Januar 2026

Frische Pause e.V. – Nähe als Prinzip

Manja Riebe und ihr Team versorgen Schulkinder in Bremen und Oldenburg mit frischem und gesundem Bio-Mittagessen.

Für Manja Riebe ist gesundes Schulessen ein Schlüssel zu Bildungs- und Chancengerechtigkeit. Mit ihrem Verein sorgt sie jeden Tag dafür, dass Kinder in Bremen und Oldenburg frische und gesunde Mittagsmahlzeiten bekommen. Dabei setzen sie und ihr Team konsequent auf das Frischküchenkonzept: Keine Zentralküche, keine Lieferwege – dafür Essen, das direkt aus dem Topf auf den Tisch kommt.

Aus Elterninitiative geboren

Die Wurzeln des Vereins Frische Pause e.V. gehen auf eine Elterninitiative aus dem Umfeld einer Bremer Waldorfschule zurück. Engagierte Eltern entwickelten dort die Idee des Frischkochens und bereiteten zunächst selbst Mittagessen für Schulkinder zu. Aus dieser Initiative ging der Verein Schulküchen Bremen e.V. hervor, der über viele Jahre hinweg in der Kinderverpflegung aktiv war. Manja Riebe war dort ab 2019 als Geschäftsführerin tätig. Mit mehr als 20 Jahren Erfahrung in der Gastronomie und der Überzeugung, die Schulverpflegung langfristig und strukturell verbessern zu können, gründete sie 2020 ihren eigenen Verein, als sich die Initiative auflöste. Sie habe bewusst Verantwortung übernehmen und sich für eine qualitativ hochwertige Schulverpflegung einsetzen wollen, erinnert sie sich. Einen Großteil der Mitarbeiter und Kunden konnte Riebe in den neuen Verein übernehmen. Wichtig war und ist ihr, dass der Verein nicht gewinn- sondern gemeinwohlorientiert arbeitet. Zudem fußt ihr Konzept auf regionalen und saisonalen Bio-Lebensmitteln, Ernährungsbildung sowie nachhaltigem Wirtschaften.

Hauptsache frisch

Das Frischküchenkonzept hat die Vereinsleiterin ganz bewusst beibehalten. Die Vorteile liegen für sie klar auf der Hand: „Die größten Stärken zeigen sich bei Geschmack und Konsistenz“, erläutert Manja Riebe. „Das Essen kommt direkt aus der Küche frisch auf den Tisch, ohne lange Transport- oder Standzeiten.“ Sie weiß, dass für Kinder vor allem der Geschmack entscheidend ist. In diesem Punkt sei die Zubereitung in der Frischküche anderen Verpflegungsformen wie Cook & Hold oder Cook & Chill deutlich überlegen, sagt sie. Zudem eröffnet der Verzicht auf eine Zentralküche den Küchenteams an den Schulen größere Gestaltungsspielräume. Die Mitarbeiter von Frische Pause kennen die Schülerinnen und Schüler persönlich, wissen um ihre Vorlieben und Abneigungen und können die Tagesgerichte entsprechend individuell anpassen.

Experimentieren am Büfett

Rund 2.400 Mahlzeiten bereiten die 45 Angestellten des Vereins täglich frisch zu – verteilt auf sieben Schulen in Bremen und sechs Schulen in Oldenburg. Auch bei der Essensausgabe beschreitet Frische Pause e.V. bewusst andere Wege als viele klassische Caterer. Die Mahlzeiten werden grundsätzlich in Büfettform angeboten: „Bei uns ist alles Selbstbedienung und ‚all you can eat‘. Die Kinder entscheiden selbst, was und wie viel sie essen“, erzählt Manja Riebe. Dieses Konzept fördere nicht nur die Selbstbestimmung, sondern wirke sich auch positiv auf das Essverhalten aus. Am Büfett beobachten sich die Schüler, sie probieren aus, was ihre Freunde essen, und ermutigen sich gegenseitig, neue Lebensmittel kennenzulernen. Begleitet wird das Büfett stets von einem Mitarbeiter, der Fragen beantwortet, Zutaten erklärt oder den jüngeren Kindern unterstützend zur Seite steht. Das sei gelebte Ernährungsbildung: „Die Nähe zu den Kindern ist uns besonders wichtig“, betont die Vereinsleiterin und unterstreicht damit ihren pädagogischen Anspruch, der über die reine Verpflegung hinausgeht.

Abwechslung garantiert

Das Mitbestimmen der Kinder geht beim Bremer Caterer aber noch weiter. Mindestens einmal im Monat dürfen die Schüler ein Wunschessen wählen. „Das hebt die Stimmung für alle“, findet Manja Riebe. Klassiker wie Nudeln mit Tomatensauce oder Pizza stünden dabei immer hoch im Kurs, erzählt sie. Ergänzend dazu finden in regelmäßigen Abständen Aktionstage unter dem Motto „kulinarische Weltreise“ statt, an denen typische Gerichte eines Landes zubereitet und serviert werden. Um eine ansprechende Gestaltung der Mensen kümmert sich Riebe persönlich: „Eine gute Atmosphäre macht viel aus“, betont sie. So entwirft sie etwa Aufsteller und Tischkärtchen, auf denen jeweils ein saisonales Obst oder Gemüse vorgestellt wird – ergänzt durch Fun Facts oder kleine Geschichten. Für viele Kinder sind diese Impulse ein willkommener Einstieg in lebendige Tischgespräche. Auch Blumen oder Kräutertöpfe gehören bei Frische Pause e.V. zur Mensaausstattung. Insbesondere die Kräuter seien der Renner, erzählt Manja Riebe, da die Kinder sie pflücken, kosten und ihr Essen damit dekorieren könnten.

Arbeit aus Überzeugung

Was Manja Riebe und ihre Kollegen jeden Tag antreibt, ist die Gewissheit, einen echten Unterschied zu machen. Es geht ihnen nicht nur darum, Kinder zu sättigen, sondern sie gesund zu ernähren und ihnen damit eine wichtige Grundlage für Lernerfolg und Konzentration in der Schule zu bieten. Besonders in Stadtteilen mit angespannter sozialer Lage, in denen Familien finanziell eingeschränkt sind, empfindet Riebe ihre Arbeit als sinnstiftend. Für Kinder, die zu Hause keine ausgewogenen Mahlzeiten oder festen Tagesstrukturen kennen, wird das gemeinsame Mittagessen in der Schule zu einem verlässlichen Anker für Stabilität und Orientierung. „Wir wollen alle Kinder erreichen. Deshalb sind unsere Küchenteams fest in die Schulgemeinschaft eingebunden und ein verlässlicher Teil des Alltags der Schüler“, betont sie.

Engagement ausweiten

Vonseiten der zuständigen Politiker wünscht sich Manja Riebe mehr Verständnis für die konkreten Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen. Sie ist überzeugt, dass ein qualitativ hochwertiges Schulessen einen zentralen Baustein für die Gesundheit und das Wohlbefinden junger Menschen darstellt und daher vollumfänglich subventioniert werden sollte. Um sich noch gezielter für eine nachhaltige Schulverpflegung einsetzen zu können, ist sie mit Frische Pause e.V. Ende 2025 dem VDSKC beigetreten. Hier freut sie sich auf den Austausch mit Gleichgesinnten aus der Branche und die politische Arbeit.