2025Verbandsmeldung2. Oktober 2025

Verbandstag in Berlin

Gestern haben sich VDSKC-Mitglieder in Berlin-Dahlem zum persönlichen Austausch getroffen.

Mit fast 70 Teilnehmern war der gestrige VDSKC-Tag in Berlin das bisher größte Verbandstreffen. Im Mittelpunkt standen Vernetzung und persönliche Kontakte. Es wurde einmal mehr deutlich, wie wichtig Begegnungen wie diese für die gemeinsame Weiterentwicklung und Sichtbarkeit des Verbandes sind.

v.l.n.r.: Katharina Gerlach, Ralf Blauert, Dr. Torsten Kühne

Zum Auftakt des Tages begrüßten wir Staatssekretär Dr. Torsten Kühne, der die Besonderheiten des Berliner Modells der Schulverpflegung darlegte. Er betonte, wie wichtig eine verlässliche Versorgung in Bildungseinrichtungen ist und dass Kinder unabhängig vom finanziellen Hintergrund ihrer Familien Zugang zu gutem Schulessen erhalten sollten. In Berlin übernimmt deshalb der Senat seit 2019 die Kosten für die Schulspeisung für alle Schulkinder von der 1. bis zur 6. Klasse. Dadurch gibt es eine sehr hohe Teilnahmequote. 200 Millionen Euro bringt die Stadt jährlich dafür auf und nutzt diese Investition bewusst, um hohe Qualitätsstandards einzufordern. Auch wenn es nicht immer einfach sei, beim Schulessen einen Kompromiss zwischen Qualität, Geschmack und Wirtschaftlichkeit zu finden, sei er stolz auf das Berliner System und wünsche sich, dass weitere Bundesländer einen ähnlichen Weg wagen würden, sagte Kühne. Vom Bund müsse diesbezüglich mehr Unterstützung kommen. Kommunikation und Transparenz seien für ihn die entscheidenden Faktoren, um das Angebot weiter zu verbessern. Aktuell werde bereits an der neuen Musterausschreibung gearbeitet, die Anfang 2027 fertig werden soll. Die Berliner Landesgruppe des VDSKC soll künftig stärker in den Dialog eingebunden werden.

v.l.n.r.: Katharina Gerlach, Manuela Sorg, Wiebke Kottenkamp

Mit Wiebke Kottenkamp und Manuela Sorg folgten zwei Stimmen, die als zentrale Vermittlerinnen zwischen Praxis, Politik und Verwaltung wirken. In ihren Rollen beim Bundeszentrum Kita- und Schulverpflegung bzw. bei der Vernetzungsstelle Schulverpflegung Berlin beraten und begleiten sie Schulträger, Caterer sowie Entscheidungsträger, um tragfähige Lösungen für eine gute Schulverpflegung zu entwickeln. Beide betonten den verbindenden Charakter des gemeinsamen Essens und das große Potenzial, dass in gesunder Ernährung stecke, wenn es um die kindliche Entwicklung und Gesundheitsförderung geht. Wiebke Kottenkamp fokussierte sich auf die verschiedenen Voraussetzungen für gutes Schulessen, etwa ein gemeinsames Qualitätsverständnis, guter Geschmack, eine angenehme Essatmosphäre und Kommunikation auf Augenhöhe. In diesem Zusammenhang hob sie die große Verantwortung der Cateringunternehmen hervor und lobte leuchtende Beispiele im Verband. Manuela Sorg erklärte Methoden, um Schüler besser einzubinden: Ein regelmäßiges Wunschessen, Zufriedenheitsbefragungen, ein Mensa-Talk oder Besuche in der Großküche seien z. B. gute Maßnahmen, um Kinder fürs Schulessen zu gewinnen.

Tanja Asmussen

Tanja Asmussen aus der Dänischen Botschaft sorgte anschließend für den Blick über den deutschen Tellerrand hinaus. Sie beleuchtete in ihrem Impulsvortrag das Kopenhagener Modell. Die dänische Hauptstadt hat ein einzigartiges Konzept für die gesamte öffentliche Gemeinschaftsverpflegung entwickelt, das Kinder in Kitas und Schulen, aber auch Erwachsene in Unis, Verwaltungskantinen, Krankenhäusern und sogar Gefängnissen erreicht. Der Bio-Anteil der verwendeten Lebensmittel beträgt aktuell bereits 87 Prozent und soll weiter ausgebaut werden. Gleichzeitig werden Maßnahmen ergriffen, um immer mehr CO2 einzusparen. Der entscheidende Hebel bei der Umsetzung sei das frische Kochen, erklärte sie: „Küchen zurück in die Schulen“. Die positiven Effekte würden schnell deutlich. Das Essen sei frischer, das Küchenteam gehöre zur Schulgemeinschaft dazu, Kinder könnten in die Küchenarbeit integriert werden oder Kochkurse belegen –  so wachse das Zusammengehörigkeitsgefühl und die Essensteilnahme nehme zu. Asmussen regte an, mehr in den Austausch zu gehen. Zwischen Deutschland und Dänemark müssten Brücken entstehen, die gute Ideen über die Landesgrenzen hinaus tragen.

Sarah Schocke und Ralf Blauert

Am Nachmittag sprach Sarah Schocke über Zukunftsperspektiven für Kinderverpflegung. Die Ökotrophologin und vielfache Buchautorin gab zu bedenken, dass Übergewicht und Mangelernährung Probleme sind, die immer häufiger auch Kinder betreffen. Der Zugang zu ungesunden, stark verarbeiteten oder süßen Produkten sei viel zu einfach – gesunde Lebensmittel dagegen hätten ein Imageproblem. Es sei eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, Kindern gutes Essen beizubringen und ihnen so ein gesundes Aufwachsen zu ermöglichen. Sie plädierte dafür, früh mit Ernährungsbildung zu beginnen. Auch wenn es schwer sei, gegen die Werbung von Zucker- und Fleischindustrie vorzugehen, lohne sich der Einsatz auf lange Sicht, ist sie überzeugt. Insbesondere bei Kitas und Schulen erkennt sie großes Potenzial, um Kinder zu erreichen und Kompetenzen für gesunde Ernährung zu vermitteln. Oft könnten schon kleine Veränderungen etwas positives bewirken – etwa ein ansprechendes Wording im Speiseplan oder dass Erzieher bzw. Lehrer mit den Kindern zusammen essen.

Die Fotogalerie zum Verbandstag folgt.