2022Mitglieder1. April 2022Zwergenkantine – Ernährungswende im Kleinen

Dorothee Tüshaus und Matthias Dreher kochen abwechslungsreiches Bio-Essen für Kitakinder.
https://www.vdskc.de/wp-content/uploads/2022/04/Zwergenkantine_VDSKC-1280x830.png

Ganz allein in einer Mietküche, mit zehn Mittagessen pro Tag – so startete Dorothee Tüshaus 2010 in ihre Catering-Selbstständigkeit. Vom ersten Essen an kochte sie DGE-konform und 100 Prozent bio. Die Vorreiterrolle sei oft mühsam, erzählt sie. Dennoch hält sie an ihrer Vision von gesunder und nachhaltiger Ernährung fest und leistet dafür täglich Überzeugungsarbeit.

Qualität first
„Wir müssen weg von den Großküchen und den Convenient-Produkten“, findet Tüshaus. Außer-Haus-Verpflegung, insbesondere die von Kindern, müsse gesund sein, fordert sie. Für etwa 950 Kinder in Berlin-Köpenick, Schöneiche, Hoppegarten und Woltersdorf ist sie das – dank der Zwergenkantine. Das VDSKC-Mitglied beliefert hauptsächlich Kitas, aber auch einige Tagesmütter und Grundschulen. Die Gerichte sind überwiegend vegetarisch und beinhalten saisonale und regionale Produkte. Gekocht werden sie mit Ökostrom und ausgeliefert mit Erdgas-Autos, Elektrofahrzeuge sind noch für 2022 geplant.

Widerstände überwinden
Bio-Zutaten, keine Fertigprodukte, nur ein Mal pro Woche Fleisch und abwechslungsreiche Gerichte – ein Ernährungskonzept, das für viele Eltern erstrebenswert klingt, stößt teilweise aber auf Widerstände. „Es gab und gibt immer wieder unnötige Akzeptanzprobleme, zum Beispiel durch fehlenden Ernährungsbackground in verschiedenen Ebenen“, erzählen Dorothee Tüshaus und ihr Ehemann Matthias Dreher, der 2016 hauptberuflich mit ins Unternehmen eingestiegen ist. Dass Ernährungsbildung kein Bestandteil der Erzieherausbildung ist, können sie daher nicht verstehen. „Wir brauchen eine gesamtgesellschaftliche Ernährungswende.“ Die Ausgangslage habe sich mit dem Ampel-Koalitionsvertrag schon deutlich verbessert, aber leider herrsche in der Bezirks-und Gemeindeverwaltung oft noch der Grundsatz „Hauptsache, die essen irgendetwas“.

Politisches Handeln gefordert
„Der Impuls zu gesunder Ernährung müsste über die Politik auch endlich in die öffentlichen Einrichtungen gelangen. Die Gemeindevertretung, Gemeindeverwaltung, Fachbeiräte und Kita-Ausschüsse, Kitaträger, Kitaleitungen und das Kitapersonal müssen über Ernährungskompetenz der Kinder sprechen und sinnvolle Ziele in Sachen Nachhaltigkeit und Gesundheit vorlegen und diese Ziele erreichbar machen“, sagt Dreher. Doch das passiere in der Praxis zu wenig, in Ausschreibungstexten spiele Nachhaltigkeit noch immer keine Rolle, beklagt er. Da, wo es trotz geringer Vorgaben sehr gut funktioniere, seien die positiven Essgewohnheiten der Kitaleitung und des pädagogischen Personals entscheidend, erzählen sie. „Es ist ein Drahtseilakt für all diejenigen, denen die heutige Ernährungsbildung wichtig ist.“ Mit selbst organisierten Workshops versucht die Zwergenkantine, das Bewusstsein bei ihren Kunden vor Ort zu schärfen.

Nische besetzt
Die schlechte Versorgung ihrer eigenen Kinder in der Kita war für Dorothee Tüshaus ursprünglich der Ausgangspunkt ihrer Geschäftsidee. Auf der Suche nach lokalen Caterern, die frisches, gesundes Essen ohne unerwünschte Zusatzstoffe anbieten, fand sie… niemanden. „Es blieb mir nichts anderes übrig, als es selbst zu machen“, erinnert sie sich. Auch wenn sich gesellschaftlich in den vergangenen zwölf Jahren bereits einiges getan habe, seien sie noch immer ein Nischencaterer, stellt sie fest. Von Seiten der Politik wünscht sie sich daher klare Richtlinien. In ihrem Bemühen erhält die Zwergenkantine Unterstützung vom VDSKC. 2021 ist das Unternehmen dem Verband beigetreten, um sich mit Gleichgesinnten zu vernetzen und gegenüber der Politik gewichtiger auftreten zu können.

Projekt-Vorreiter
Als Anfang 2022 das VDSKC-Projekt „Wo kommt dein Essen her?“ auf Brandenburg ausgeweitet wurde, war die Zwergenkantine als einer der ersten Caterer sofort mit an Bord. „Das ist ein spannendes Projekt, das die Akzeptanz für regionale Lebensmittel bei Eltern und Kindern steigert. Da wir die Transparenz der Lieferketten befürworten, beteiligen wir uns gern daran“, sagen Tüshaus und Dreher.