In Deutschland ist Schulessen Ländersache – bundesweit einheitliche Qualitätsstandards gibt es nicht. Lediglich in Berlin, Bremen, Hamburg, Saarland und Thüringen sind die DGE-Richtlinien fürs Schulessen verpflichtend, in den anderen Bundesländern wird auf Freiwilligkeit gesetzt. Auch die Finanzierung ist sehr unterschiedlich organisiert. Während das Essen in Berlin für Grundschulkinder beitragsfrei ist, müssen in den meisten Fällen die Eltern für die Verpflegung ihrer Kinder aufkommen, was zu mehr sozialen Ungerechtigkeiten führt. Wie gut Kinder in der Schule versorgt werden, hängt in Deutschland also von Wohnort und Familieneinkommen ab. Der Blick in andere Länder zeigt: Investitionen in gute Schulverpflegung zahlen sich langfristig aus. Ein aktueller Bericht der Apotheken Umschau fasst positive Beispiele zusammen.
Japan: In Japan gibt es bereits seit 1954 ein Gesetz zur Schulspeisung, seit 2008 ist Ernährungserziehung fester Bestandteil des Lehrplans. In den Schulen arbeiten Ernährungsfachkräfte, die altersgerechte Speisepläne entwickeln. Die Schüler essen gemeinsam in ihren Klassenräumen und übernehmen Aufgaben wie das Servieren des Essens und das Aufräumen.
Schweden: In dem skandinavischen Land ist das Mittagessen in Vorschule und Schule für Kinder gratis – finanziert wird es über Steuern. So sollen soziale Ungleichheiten ausgeglichen werden. Seit 2011 gibt es gesetzliche Vorgaben zur Nährstoffzusammensetzung der angebotenen Speisen. Zudem wird das Schulessen über ein Online-Feedbacksystem regelmäßig von den Schülern bewertet. So wird die Qualität kontinuierlich überwacht und verbessert.
Frankreich: Esskultur spielt in Frankreich eine große Rolle. Hier sind die Mittagspausen in den Schulen bis zu zwei Stunden lang, damit die Schüler ausreichend Zeit für das gemeinsame Essen haben. Serviert werden 3- bis 4-Gänge-Menüs, die meist vor Ort in den Schulküchen zubereitet werden. Seit den 1970er-Jahren gibt es verpflichtende Qualitätsstandards. 50 Prozent der verarbeiteten Lebensmittel müssen aus nachhaltigen Quellen bezogen werden, 20 Prozent müssen in Bio-Qualität sein. Und Snackautomaten mit Süßigkeiten sind zudem verboten.
Brasilien: Seit 2009 gilt in Brasilien ein Schulverpflegungsgesetz, das Qualitätsstandards für das Schulessen vorgibt und Ernährungsbildung im Lehrplan verankert. Via App kann jederzeit die Qualität der Speisen kontrolliert werden. Ein Fokus liegt zudem auf regionale Produzenten. So müssen mindestens 30 Prozent der Lebensmittel für die öffentliche Schulspeisung aus regionaler, kleinbäuerlicher Landwirtschaft stammen.
Slowenien: In Slowenien wird gerade an der Einführung eines kostenfreien Mittagessen gearbeitet – ab 2027 sollen alle Grundschulkinder beitragsfrei versorgt werden. Ein Gesetz zur Schulverpflegung gibt es seit 2011. Es schreibt u. a. vor, dass in Schulen Obst, Gemüse und Milch kostenfrei angeboten werden muss und dass Snackautomaten in Schulen verboten sind.

