„Wir brauchen eine junge Generation, die gesund und fit für die Zukunft ist“, sagt Jürgen Reibrich. Mit seiner Suppenlöffel Vitalfood GmbH arbeitet der Unternehmer an diesem Ziel, indem er gesunde Kinderernährung mit regionaler Wertschöpfung verbindet. Über die vergangenen zwei Jahrzehnte hat er mit diesem Ansatz ein erfolgreiches mittelständisches Unternehmen aufgebaut.
Gesellschaftliches Umdenken
Für Jürgen Reibrich steht fest: Bildungserfolg und Entwicklungschancen von Kindern dürfen nicht vom Einkommen der Eltern abhängen. Dass Kinder in Deutschland nährstoffunterversorgt sind oder hungrig am Unterricht teilnehmen, hält er für nicht hinnehmbar. „Mit hungrigem Bauch lernt es sich schlecht“, weiß er und beschreibt damit zugleich den Antrieb seines unternehmerischen Handelns. Er wünscht sich, dass gesunde Ernährung stärker ins gesellschaftliche Bewusstsein rückt. „Es muss ein Umdenken stattfinden, die Gesellschaft muss stärker für gesunde Ernährung sensibilisiert werden. Wir brauchen Qualität statt Quantität.“ Dabei setzt Reibrich nicht auf theoretische Konzepte, sondern auf ganz praktische Lösungen. Als jemand, der „gern anpackt und die Ärmel hochkrempelt“, arbeitet er gemeinsam mit seinem Team täglich daran, Kindern in und um Nürnberg ein gesundes, schmackhaftes Mittagessen anzubieten.
Vom Bauingenieur zum Caterer
Der Weg in die Gemeinschaftsverpflegung war für Reibrich nicht vorgezeichnet. Der gelernte Bauingenieur entschied sich mit Anfang vierzig dazu, den sicheren Beruf in der Baufirma seines Vaters aufzugeben und seiner Leidenschaft fürs Kochen nachzugehen. Ausschlaggebend waren Erfahrungen aus seinem ehrenamtlichen Engagement bei den Wirtschaftsjunioren der IHK Nürnberg. Gemeinsam mit seiner damaligen Frau besuchte er regelmäßig Schulen und erlebte dort die oftmals mangelhafte Qualität der Schulverpflegung aus nächster Nähe. „Wir wollten nicht nur darüber reden, sondern etwas tun“, erinnert sich Jürgen Reibrich. Aus dieser Motivation heraus gründete das Paar 2004 das Cateringunternehmen Suppenlöffel. Zunächst kochten sie lediglich 20 Mahlzeiten für einen Nürnberger Kindergarten. Parallel dazu absolvierte Reibrich Kochseminare und bildete sich weiter.
Wachstum mit regionalem Anspruch
Mit frischen Zutaten, überwiegend regionalen Produkten und kindgerechten Rezepten erarbeitete sich das Unternehmen in der Region einen guten Ruf. Aus den kleinen Anfängen entstand im Laufe der Jahre ein mittelständischer Betrieb mit heute 18 Mitarbeitern und rund 2.000 produzierten Mahlzeiten pro Tag. Trotz des Wachstums ist der ursprüngliche Anspruch bis heute erhalten geblieben: Kindern eine ausgewogene Mahlzeit anzubieten und gleichzeitig regionale Strukturen zu stärken. Seit vielen Jahren engagiert sich der Caterer deshalb auch bei Slow Food Deutschland, einer Organisation, die sich für kleinbäuerliche Landwirtschaft, traditionelle Lebensmittelproduktion und einen bewussten Umgang mit Ressourcen einsetzt. Geschäftsführer Jürgen Reibrich pflegt enge und langjährige Beziehungen zu bayerischen Landwirten und bezieht saisonal verfügbare Lebensmittel direkt aus der Region. Gleichzeitig hat er den Anteil an Bio-Produkten kontinuierlich ausgebaut.
Bewusst handwerkliche Küche
Ein zentraler Bestandteil der Unternehmensphilosophie ist die eigene Zubereitung der Gerichte. Möglichst alle Speisen werden von Grund auf selbst gekocht. „Wir geben unser Essen mit gutem Gewissen aus, weil wir genau wissen, was drinsteckt“, sagt Reibrich. Zwei Menülinien bietet Suppenlöffel täglich an, darunter stets eine vegetarische Variante. Ergänzt wird das Angebot durch frische Salate und Obst. Dass dieser Ansatz funktioniert, zeigt die Resonanz in den Einrichtungen. Besonders beliebt ist etwa das selbst gemachte Kartoffelpüree aus bayerischen Kartoffeln, das zu den absoluten „Mensaschlagern“ zählt. Auch gefüllte Paprika mit Reis, Lauchcremesuppe oder paniertes Sellerieschnitzel gelingen Jürgen Reibrich und seinem Team so gut, dass die Kinder die Gerichte immer wieder nachfragen. Wünsche und Anregungen aus den Kitas und Schulen fließen in die Planung ein und verleihen den Speiseplänen eine individuelle Note.
Nachhaltigkeit und Zukunft im Blick
Im vergangenen Jahr ist das Unternehmen innerhalb Nürnbergs an einen neuen Standort gezogen und hat in eine moderne Großküche investiert. Zwar wäre dort inzwischen eine Kapazität von bis zu 4.000 Mahlzeiten täglich möglich, doch Reibrich setzt weiterhin auf kontrolliertes Wachstum statt schneller Expansion: „Wir wollen unseren Idealen treu bleiben und die Qualität unseres Essens hochhalten“, betont er. Mit dem neuen Standort wurde zugleich das Thema Nachhaltigkeit intensiviert. So wird der Strom für den Küchenbetrieb nun direkt über die Solarpaneele auf dem Dach erzeugt und genutzt. Für die Zukunft sieht der Geschäftsführer sein Unternehmen gut aufgestellt. Inzwischen arbeitet auch seine Tochter im Betrieb mit und bringt neue Ideen ein. Perspektivisch soll sie das Familienunternehmen in einigen Jahren übernehmen.
Engagement im Verband
Im April 2026 ist Jürgen Reibrich mit der Suppenlöffel Vitalfood GmbH dem VDSKC beigetreten. Er wolle sich auch über sein eigenes Unternehmen hinaus engagieren und für eine bessere Kita- und Schulverpflegung einsetzen, erzählt er. Er wünscht sich ein Bildungssystem, in dem Kinder aller sozialen Schichten beitragsfrei mit gesundem Essen in Kitas und Schulen versorgt werden. Aus seiner Sicht müssten Gesundheitsvorsorge und Ernährungsbildung bereits im frühen Kindesalter einen deutlich höheren Stellenwert erhalten. Im Austausch mit anderen Mitgliedern des Verbandes sieht er die Chance, gemeinsam an diesem Ziel zu arbeiten und sich mit Menschen zu vernetzen, die ähnliche Werte und Vorstellungen teilen.

