In Brasilien erhalten jeden Tag 40 Millionen Kita- und Schulkinder ein kostenfreies Mittagessen in ihren Einrichtungen. Der südamerikanische Staat hat bereits 1955 ein nationales Schulverpflegungsprogramm eingeführt. Seitdem werden Kinder aller Altersstufen mit kostenlosen Mahlzeiten versorgt.
Was als Strategie zur Verbesserung massiver Ernährungsprobleme in ärmeren Bevölkerungsschichten begann, ist heute ein Instrument von gesundheitlicher Prävention, Ernährungsbildung und sozialer Gerechtigkeit. In den 1990er-Jahren wurden ernährungsphysiologische Qualitätsstandards gesetzlich verankert. Seit 2009 hat jedes Kind im Land einen festen Anspruch auf tägliche Mahlzeiten – unabhängig vom Einkommen der Eltern.
Über rund 200 Schultage im Jahr erhalten heute 40 Millionen Kinder täglich mindestens eine Mahlzeit, bei langer Aufenthaltsdauer in Kita oder Schule sogar bis zu drei Mahlzeiten. Damit deckt das Programm nahezu die gesamte Schülerschaft des Landes ab – und das komplett beitragsfrei. Die jährlichen Mittel für die Kinderverpflegung belaufen sich auf umgerechnet etwa 799 Millionen Euro. Getragen werden sie von Bund, Bundesstaaten und Kommunen. Je nach Region kommt das Essen aus kommunalen Küchen, externen Zentralküchen oder Mischformen. Festgelegt ist zudem, dass mindestens 30 Prozent der Bundesmittel für Lebensmittel aus regionaler Landwirtschaft verwendet werden müssen.
Analysen der Fakultät für öffentliche Gesundheit der Universidade de São Paulo zeigen, dass das Programm positive Wirkung entfaltet: Es reduziert Ernährungsunsicherheit, fördert den Verzehr von frischem Obst und Gemüse, senkt den Bedarf an hochverarbeiteten Lebensmitteln und stärkt gesunde Essgewohnheiten. Darüber hinaus wirken sich regelmäßige Mahlzeiten positiv auf schulische Leistungen und Abschlussquoten aus. Auch die lokale Landwirtschaft profitiert von der stabilen Nachfrage – das Programm leistet somit einen Beitrag zur regionalen Wirtschaft und sozialen Entwicklung.
Brasilien ist mit seinem Ernährungsprogramm ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie konsequente, national koordinierte Förderung nicht nur den Hunger bekämpft, sondern Bildungschancen sichert, Gesundheit fördert und nachhaltige Ernährungssysteme stärkt.

